Vorwort zur ersten Ausgabe des Hirsch-Chumasch
Einen Beitrag zum Verständnis des „Buches der Bücher“ zu liefern ist ein an sich so hohes Ziel, daß selbst eine begabtere Kraft als diejenige ist, die mit dieser Übersetzung und Erklärung des Pentateuchs ihre Gabe auf den Geistes-Altar ihres Volkes niederlegen möchte, in einem diese Gabe begleitenden Worte sich beschränken dürfte, nur das Ziel anzudeuten, dessen Erreichung ihr vorgeschwebt, ohne auch nur entfernt ein Urteil über das etwaige Maß des Gelingens zu wagen.
Den biblischen Text aus sich selber erklären; diese Erklärung aus dem Wortausdruck in allen seine Nuancen zu schöpfen; die Bedeutung der Worte aus in dem überlieferten Schrifttum vorliegenden Sprachschatz zu ergründen; an der Hand dieser linguistischen Forschungen und den halachischen und agadischen Überlieferungen derselben nationalen Vergangenheit, aus deren Händen uns der biblische Text überkommen, die Wahrheiten zu schöpfen und darzustellen, aus welchen sich die jüdische Welt- und Lebensanschauung erbaut, und die für alle Zeiten die Normen des jüdischen Lebens bilden: das war das angestrebte Ziel.
Und wenn dieses Ziel nicht ganz verfehlt, wenn damit auch nur ein kleiner Beitrag zu der Erkenntnis geliefert worden sein möge, welche ein durchaus einheitlicher Geist die Schrift des göttlichen Wortes durchwehe, und wie dieser Geist nicht ein Geist antiquierter Vergangenheit, wie vielmehr sein die lebendigste Gegenwart und die Zukunfthoffnung alles Strebens der Menschheit sei, so hat der Verfasser nicht vergebens sich versucht. Mögen einst begabtere Kräfte vollenden, was bei der Größe des angestrebten Zieles nie erschöpfend gelungen sein kann, und möge die Gottesschrift immer mehr werden, wozu der Vater der Menschheit sie unseren Händen anvertraut: eine Saat des Lichtes und der Erkenntnis für alle, die mit Ernst aus ihr schöpfen!
Eine nähere Darstellung des Systems linguistischer Forschung, das diesen Erklärungen zugrunde liegt, bleibt einer späteren Zeit vorbehalten. Das Prinzip der Lautverwandtschaft, auf dem es beruht, ist in der hebräischen Sprache so augenfällig, und die sprachlichen Tatsachen, aus welchen eine jede etymologische Annahme des Kommentars erwachsen, sind überall zu deren Begründung so ausführlich gegeben, daß für den denkenden Leser das System seine Rechtfertigung in sich selber tragen dürfte.
Der Kommentar zu Bereschit, der hiermit zuerst erscheint, ist zunächst aus Vorlesungen entstanden, die der Verfasser eine Reihe von Jahren über diese Buch gehalten. Der späteren Bearbeitung lagen diese Aufzeichnungen zugrunde und ist diese Entstehungsart nicht ganz ohne Einfluß auf die Form geblieben.
Wiederholungen sind absichtlich nicht vermieden, um jeder Textesstelle das zur Erläuterung Notwendige möglichst vollständig beizugeben.
Einige Exkurse kommen den Kommentaren der folgenden Teile zugute, wie denn der Kommentar zu Bereschit überhaupt auch die genetische Grundlage für die Erörterung der folgenden Bücher bildet.
Übersetzung und Kommentar zu Schmot dürfen binnen Jahresfrist vollendet sein und so, wenn Gott Leben und Kraft verleiht, in ununterbrochenen Folge auch die folgenden Bücher erscheinen.
וִיהִי נוֹעַם ד׳ אֱלֹקֵינוּ עָלֵינוּ וּפוֹעַל יָדֵינוּ יֵרָצֶה!
Frankfurt a. M., im Adar I. 5627.
Der Verfasser